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Preisträger und Begründungen der Jurys

new berlin film award in der Kategorie „Bester Spielfilm“

ABGEBRANNT
Regie: Verena S. Freytag

Jurybegründung (Hagen Bogdanski, Jörg Trentmann, Sebastian Urzendowsky):                 
„Pelin ist eine junge Mutter, tausend Tattoos auf dem Körper und drei Kinder an der Hand. Der Vater ist irgendwo und nur ein Freund da, der sie liebt, aber keinen Halt gibt. Als sich ihr jüngerer Sohn an dessen Pillen bedient und fast stirbt, sollen Pelin alle Kinder genommen werden. Der einzige Weg daran vorbei führt sie in eine Mutter-Kind-Kur am Meer. Hier soll sie Ruhe und eine neue Perspektive finden, aber das staatliche Angebot kommt nicht ohne Forderungen und wieder sieht sie sich bedroht in dem Wunsch, selbst bestimmt ihr Leben in die Hand zu nehmen.
Verena Freytags Geschichte hat alle Voraussetzungen, um in Klischees oder Sozialkitsch abzudriften. Aber der Film tut das nicht.
Schauspiel, Bildsprache und Ausstattung- alles wirkt authentisch, jeder Moment ist glaubwürdig. Die Geschichte wird bis in die Ausweglosigkeit konsequent erzählt und lässt einen auch nach dem Abspann nicht in Ruhe.
Wir glauben, dass Verena Freytag eine  klare, eigene Sprache gefunden hat und sind gespannt auf ihren nächsten Film.“


new berlin film award in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“

GLÜCKSRITTERINNEN
Regie: Katja Fedulova

Jurybegründung (Grit Lemke, Thomas Grube, Astrid Schult): 
„GLÜCKSRITTERINNEN von Katja Fedulova ist ein Film, der sich festhakt, der jede und jeden von uns noch lange beschäftigt. Dabei geht es um etwas, das scheinbar nicht viel mit uns zu tun hat: Emigrantinnen, russische Frauen, die in Deutschland ihr Glück suchen, getrieben von den Ansprüchen ihrer ehrgeizigen Mütter. Ein Film, der es einem nicht leicht macht. Kantig, persönlich und ungeheuer mutig, in einer klugen Mischung aus Analyse und Beobachtung. Irgendwann registrieren wir, dass unser Unbehagen nicht nur den Protagonistinnen gilt, sondern auch uns selbst und der Tatsache, dass wir alle mit der großen, universellen Frage kämpfen: Wie selbstbestimmt ist unser Leben? Und können wir uns jemals von den Erwartungen und Projektionen unserer Eltern befreien? Eine tiefe Beunruhigung, wie sie nur die Kunst zu erzeugen vermag.“


new berlin film award in der Kategorie „Bester mittellanger Film“ (Spielfilm)

BEACH BOY
Regie: Hannes Hirsch

Jurybegründung (Irma-Kinga Stelmach, Burak Yigit): 
„Sommer, die Ostsee, Zelten. Dimi, gespielt vom wunderbaren Tom Gramenz, scheint irgendwie fehl am Platz zu sein. Bis die Freundin seines älteren Bruders unerwartet auftaucht.
Ein Film, in dem scheinbar kaum was passiert. Wenn man versucht den Inhalt in wenige Worte zu fassen, erscheint einem die Handlung einfach, beinahe banal. Doch eben genau durch den bewussten Verzicht auf eine dramatisierende Erzählweise, entwickelt der Film während des Betrachtens seine Kraft und Poesie. Dank der konzentrierten Kameraführung und Inszenierung, sowie der sensiblen Montage, bleiben wir als Zuschauer dicht an der Hauptfigur- seiner Begierde, Sehnsucht und Suche nach Nähe.
„Was ist los?“ – fragt beiläufig zum Anfang des Films Dimis Bruder, ohne eine Antwort von ihm zu bekommen. Eine Frage, die man sich auch als Zuschauer stellt und im subtilen, doch intensiven Spiel von Tom Gramenz nach einer Antwort rätselt. Eine Antwort, die man in Dimis glücklichen Blick flüchtig spürt, als er für einen Moment der Freundin seines Bruders nah ist.“


new berlin film award in der Kategorie „Bester mittellanger Film“ (Dokumentarfilm)

LES ENFANTS DU GRENIER
Regie: Charlie Petersmann

Jurybegründung (Irma-Kinga Stelmach, Burak Yigit): 
„Das erste Bild ist eine lange Einstellung: ein Haus mit einem Garten und tibetanischen Gebetsfahnen, die fröhlich im Wind  flattern- die Gebete und das Glück in die Welt hinaustragen. Wir lernen die Bewohner des besetzen Hauses kennen - Männer, die in vier Tagen wieder obdachlos sein werden. Ein Portrait über Menschen, die nach zehn Jahren ihre Ersatzfamilie und ihr Zuhause verlassen müssen, ohne zu wissen wohin. Trotz der ausweglosen Situation und der existenziellen Probleme, entlässt der Film uns mit einem Hoffnungsschimmer und einer großen Empathie für die Protagonisten.
Sensibel und respektvoll nähert sich Charlie Petersmann den Wünschen, Unsicherheiten und Ängsten der unterschiedlichen Männer. Mit einer beobachtenden, ruhigen Kamera, lässt er dem Zuschauer den Raum, in die Welt seiner Protagonisten einzutauchen, ohne diese vorzuführen, oder zu kommentieren. Dabei schafft er es  schöne, lebendige Momente einzufangen, die uns die Protagonisten näher bringen. Was am Ende übrig bleibt, ist eine Ruine; mit den Gebetsfahnen, die unbeirrt hoffnungsvoll zwischen den Steinen im Wind wehen.“


new berlin film award in der Kategorie „Bester Kurzfilm“

DÍGAME
Regie: Josephine Frydetzki

Jurybegründung (Aylin Tezel, Jakob D. Weydemann, Till Kleinert):

„Mit ihrem Film eröffnet uns die Regisseurin Josephine Frydetzki einen intensiven Einblick  in eine pulsierende Stadt, die wie ein Spiegel ihrer Hauptfigur wirkt. Während Buenos Aires seine 200-jährige Unabhängigkeit feiert, trifft Esteban auf die wichtigsten Menschen seines Lebens: seine Exfrau, seinen Sohn und seine Geliebte. Feinfühlig erzählt uns die Regisseurin von dem Preis persönlicher Unabhängigkeit und absoluter Freiheit: der Einsamkeit.
Mit perfekt eingesetzten filmischen Mitteln schafft es die Regisseurin in nur 23 Minuten eine komplexe Geschichte sehr dicht zu erzählen. Dabei überzeugt dieser Kurzfilm durch seinen temporeichen Rhythmus, die sensibel geführte Kamera und das berührende Schauspiel aller Darsteller. Die Figuren teilen eine gemeinsame Vergangenheit, die sich uns in jedem Blick und jeder Geste mitteilt. Nie hat man das Gefühl, Orte und Situationen existieren nur zum Zweck der filmischen Erzählung. So sollen Filme sein.“

VON MÄDCHEN UND PFERDEN
Regie: Ulrike Vahl

Jurybegründung (Aylin Tezel, Jakob D. Weydemann, Till Kleinert):
„Die beiden jungen Leistungsturner, die uns der Film zeigt, beherrschen im Alter von 10 und 11 Jahren ihre Körper in einem für Normalsterbliche kaum vorstellbaren Maße. Die Turnhalle ist die Welt, in der sie sich bewegen, in einer Routine aus Übungen, bei denen jede einzelne Muskelbewegung zum Objekt kritischer Begutachtung durch den Trainer wird.
Die Regisseurin Ulrike Vahl richtet den Blick auf die Momente des Vorbereitens und Wartens dazwischen, auf die Momente, in denen die professionelle Konzentration gebrochen wird durch Introspektion, Gerede und Witze, und manchmal sogar durch winzige Momente der Verweigerung und der Auflehnung gegen den alles bestimmenden Trainingsplan.
Was dieser Film zu Tage fördert, ist pures dokumentarisches Gold. Da ist zunächst das Spektakel der sportlichen Höchstleistung, das in faszinierendem Kontrast zum kindlichen Auftreten seiner Athleten steht. Doch weit über diesen oberflächlichen Reiz hinaus kommen Regie und Kamera mit ihren unkommentierten Beobachtungen dem Wesen ihrer Protagonisten beeindruckend nah: ihrem Ehrgeiz, ihren Unsicherheiten, ihrem Selbstverständnis und ihrem Körpergefühl.
Unweigerlich beginnt man sich zu fragen, was für Männer in diesen Jungen reifen, wie sich ihre Persönlichkeiten durch den Leistungssport und über ihn hinaus entwickeln werden.“


new berlin film award in der Kategorie „Beste Kamera“

DER MANN DER ÜBER AUTOS SPRANG
(Regie: Nick Baker-Monteys)
Kamera: Eeva Fleig

Jury (Hagen Bogdanski, Jörg Trentmann, Sebastian Urzendowsky): keine Begründung  


Preis des Verbands der Deutschen Filmkritik (VdFK)

PAPA GOLD
Regie: Tom Lass

Jurybegründung (Caroline M. Buck, Elfriede Schmitt, Bernd Zywietz):
„Frank kommt nach Berlin, um Stiefsohn Danny zu überzeugen, nach zehn Jahren wieder mit seiner Mutter zu reden. Danny – so scheint es zunächst – hat sich in der Großstadt und in seinen zahllosen Damenbeziehungen prächtig eingerichtet. Je näher sich aber die beiden unterschiedlichen Männer kommen, desto mehr bröckelt die Fassade des unbeschwerten, ungebundenen Lebens ...
„Papa Gold“ von Tom Lass mag kein Drehbuch gehabt haben. Und doch bietet der Film mit seinen zwei einnehmenden Hauptdarstellern – Peter Trabner und Tom Lass selbst – fast beiläufig eine dichte und durchdachte, eine kluge, witzige und berührende Geschichte. Vieles, wenn nicht gar alles, mag in dieser No-Budget-Produktion spontan und improvisiert gewesen sein. Und gerade das macht den von der Kameraarbeit bis zum Schnitt so souveränen „Papa Gold“ ungemein frisch, wunderbar ironisch und lebendig – so stilsicher wie unwiderstehlich.
Ähnlich den Filmemachern der Nouvelle Vague vor fünfzig Jahren hat Lass „aus der Hüfte geschossen“: Er ist auf die Straße gegangen – die des Prenzlauer Bergs –, und von dort hat er einen wunderbaren Film mitgebracht. Mit Verve zeigt „Papa Gold“, dass es in Sachen Geld oder Technikaufwand so wenig braucht, wenn man so viel anderes hat: Talent, Freude, Humor, Energie und eine eigene Stimme. Eben ein bisschen Berlin.“


Preis der Ökumenischen Jury

VERGISS DEIN ENDE
Regie: Andreas Kannengießer

Jurybegründung (Stefan Foerner, Markus Weis, Angelika Obert, Jörg Machel):
„Wenn man nicht mehr weiter weiß, ist noch lange nicht alles aus. Glaubwürdig und präzise zeigt  Andreas Kannengießer, wie Hannelore, die mit der Demenz ihres Mannes nicht mehr fertig wird und Günther, der seinen Lebenspartner verliert, durch die Krise zurück ins Leben finden. Der Film erzählt von menschlicher Größe, die sich zeigt im Mut zum Ausbruch wie im Mut, dazubleiben. Mit feinem Humor, klug und wunderbar geerdet im Berliner Alltag werden die Herausforderungen des Alters und die Haltbarkeit der Liebe ausgelotet. Großartige Darsteller sorgen dafür, dass diese Befreiungsgeschichte unvergesslich bleibt.“ 


Zitty-Leserjury-Preis

GESCHICHTEN AUS DER HEIMAT
Regie: Curtis Burz

Jurybegründung (Zitty-Leserjury):
„Arm ist sexy, aber beschämt.
In Berlin wird darüber sehr viel geredet  und gern mal damit koketiert. Aber kommt es darauf an, in einem Film ein Interview zu geben, will keiner sein Gesicht zeigen. Curtis Burz hat aus dieser Not eine Tugend gemacht, indem er Paten gefunden hat, die ihr Gesicht den Geschichten geliehen haben. Diese kreative und innovative Lösung zeigt, daß man mit no budget, dennoch inhaltlich und ästhetisch einen eindringlichen Film drehen kann, der gleichermaßen berührt und aufklärt.“